Skip to content
Werbung

Die Zeit JETZT und die Zeit DANACH

Meinst du, die alten, ausgetretenen Wege wird es bald wieder geben, und du kannst als Autorin/Autor weiterhin darauf herum trampeln?

Wenn du meinst ... meinetwegen. Wahrscheinlich bist du in diesem Fall berühmt und längst Gefangene(r) deines Stils.

Und die neuen Wege? Wir wissen nicht, was sich für Autoren verändert. Bisher wurden wir schlecht bezahlt (klar, außer dir). Werden wir in Zukunft noch schlechter bezahlt? Oder müssen wir wieder zurück auf die Holperwege, die uns eigentlich aus dem Hals heraushängen?

Ich weiß, dass eine große Anzahl von euch JETZT Frust schiebt. Der Blutdruck steigt, aber euer Schreibgriffel bleibt liegen. Wenn es denn eine PC ist: Ihr schaltet ihn ein, schaut auf das Elend der Welt und der Menschen und - schaltet ihn wieder aus.

Schaut nicht mehr in die Medien

Gegenwärtig versuchen fast alle Autorinnen/Autoren etwas über ihr verdammtes Leben zu schreiben. Klar „interessiert“ das eure FACEBOOK-Freunde und alle anderen, die auch nichts zustande bringen, sondern lieber Frust schieben. Alles, was du da an „Input“ bekommst, ist zu viel. Ob soziale Medien oder von Journalisten aufgebauschte Horror- und Frustmeldungen - meidet alle Medien. Die Leute schreiben zu viel, viel zu viel. Und wenn du da sitzt und grübelst und grübelst und noch mehr grübelst, erschaffst du keine bessern Welten, ja nicht einmal geilere Welten.

Das einzige, was dir nützt, ist JETZT zu schreiben - nicht über dich. Wen soll denn interessieren, was du über dich schreibst? Hauche deine Figuren an, bringe sie zueinander, aufeinander, übereinander und ineinander.

Sei diszipliniert. Schreibe jeden Tag. Es schadet auf keinen Fall, wenn du geil dabei wirst.

Im Moment ist alles besser, was du selbst schaffst.

Als seine Hand forschend über den Seiden-Slip fuhr

Jeden Tag ein bisschen mehr gestatten ...
Damals trugen wir Rock und Bluse - und alles andere kam auf den Anlass an. Das Unterkleid kam langsam aus der Mode, und das Mieder trugen nur noch etwas „frauliche“ Damen, die Ansätze von kleinen Pölsterchen verdecken wollten.

Wenn du besonders elegant ausgehen wolltest, kamen eigentlich nur „hochhackige“ Schuhe in Frage, in denen die Beine hübscher wirkten und der Po ... oh, ja, wir taten es auch, um den Po zu präsentieren. Dazu kamen Strapse und Nylons, auch wenn sie sündhaft teuer waren und immer wieder „Laufmaschen“ zeigten. Und das Höschen? Es bedeckte damals noch den ganzen, vollen Po, und zu besonderen Gelegenheiten ... ja, solchen Gelegenheiten ... mussten sie aus feiner Seide sein.

Feine Damen wussten natürlich, dass der Slip unter dem „Tanzgürtel“ getragen wurde. Aber so etepetete waren nicht alle. Nachts auf einer unbeleuchteten Parkbank musste alles ziemlich schnell gehen. Wenn du den Jungen wirklich mochtest, musstest du ihm ja etwas bieten ... nicht alles. Aber immer so viel, dass er sich beim nächsten Mal mehr versprach.

Also trugen wir den Slip über dem Strapsgürtel, und ließen zu, dass seine Hand sich langsam auf den Slip zu bewegte. Eine warne, sinnliche Männerhand auf Seide fühlte sich einfach gut an, wenn sie dich streichelte.

Ein paar Mal hast du ihn damals hinhalten können, hast die forschenden Finger abgewehrt, aber schließlich hast du das gemacht, was alle gemacht haben - den Slip zur Seite geschoben und ...

Erinnerst du dich noch daran? Ja? Dann schreib eine Geschichte darüber ... du hast doch jetzt Zeit, Geschichten zu schreiben, oder?

Das Selbst in der Quarantäne

Das Selbst wurde all seiner Dienste enthoben, es sei denn, sich im Spiegel zu betrachten.

Dieses Selbst, zu dem wir immer gut sein wollten, das wir beobachtet haben und dessen Veränderungen wir sorgsam registrierten.

Und nun? Wir haben dem Selbst eine Auszeit verordnet. Nicht willig, auch nicht ganz freiwillig, aber auch nicht restlos widerwillig. Jetzt also liegt das Selbst auf der Couch herum und langweilt sich. Es ist nicht mehr in der Lage, Lust zu suchen - jene Lust, die man riechen und schmecken und fühlen kann. Es ist voll von der Sucht danach, endlich wieder mit seiner Droge vollgepumpt zu werden - es ist, ohne jeden Zweifel, dopaminsüchtig. Man hat mich gelehrt, mein „Selbst“ hübsch zu pflegen und es gar nicht erst rauszulassen aus meiner Persönlichkeit, und jetzt liegt es da, wie ein struppiger Köter.

Ich erinnere mich an die süßen Worte: Komm zu Sinnen! Umarme dein Selbst! Entdecke das Hier und Jetzt!

Wenn ich das täte, wäre mein Leben schwer, sinn- und ziellos. Also habe ich mein Selbst vorübergehend ersetzt. Das, was da auf dem Sofa liegt, mag das Original sein, aber ich habe einige Kopien aufbewahrt. Und sie können etwas, das andere längst nicht mehr können: Mit einem leeren Blatt Papier kommunizieren. Oder einem leeren Bildschirm.

Dieses Selbst muss auch nicht schmachten oder darben: Es erfindet gute und böse Welten und es kann Schrecken und Freude verbreiten.

Eine Kollegin von mir sagte, nun können man ohne Skrupel Sachen schreiben, die einfach nur geil wären - und man könnte auf den ganzen Quatsch von der sozialen Sensibilität verzichten.

Oh ja, schön ... ich hoffe, sie schafft es. Und ihr auch.

Erotisch zu schreiben kostet Überwindung

Die Leserinnen, die erotische Literatur wollen, möchten andere Texte lesen als jene, die vor allem ihre Lust aufheizen wollen. Und diese Texte zu schreiben, kostet Selbstüberwindung. Du musst all diese Begriffe verwenden, die deine Mutter niemals von dir hören wollte.

Dazu schreibt ein Autor:

Für den neuen Markt von E-Book-Leserinnen und Lesern, die nach Erotik suchten, musste ich eine viel deutlichere Sprache finden, um sie richtig heißzumachen. Ich gebe zu, dass es für mich anfangs etwas befremdlich war, aber letztlich fühlte ich mich dabei recht wohl und hörte auf zu erröten, wenn ich etwas schrieb, was wirklich ordinär war.

Wisst ihr, wer aus einem guten, soliden, bürgerlichen Elternhaus kommt, kennt die Sprache der Gosse nicht, und er kommt auch nicht in Versuchung, sie zu verwenden. Doch falls er dennoch Schriftsteller wird, dann muss er wissen, wie ein ein Professor spricht, wenn er von seinesgleichen beobachtet wird, und wie sich das ändert, wenn er sich von einer Domina auf den Boden wirft.

Und das wäre noch längst nicht alles. Wann spricht eine Frau von ihrer Vagina oder Vulva, wann von ihrer Muschi und wann nutzt sie selbst die Ausdrücke, die Frauen offiziell „eigentlich“ stets vermeiden? Wer sagt wirklich „Fellatio“, und wer sagt „ich kann dir einen schnellen Blowjob geben, um mich für die Einladung zu bedanken“? Auch dafür gäbe es noch „schmutzigere“ Varianten, die ich hier nicht erwähnen kann.

Daraus ergibt sich allerdings eine interessante Frage: Wie könnt ihr eure Figuren mit einer authentischen Sprache ausstatten, wenn eure Wortwahl nur noch dazu dient, eure Leser(innen) aufzugeilen?

Es wäre schön, Antworten darauf zu bekommen.

Die Leserin als Zuschauerin von Lust und Schmerz

Die Emotionen der Zuschauer(innen) - alle Schattierungen
Diejenigen unter euch, die noch über „traditionelle Körperstrafen“ schreiben, können ihre Schilderungen mit wesentlich mehr Erotik anreichern, wenn sie einen etwas vergessenen Aspekt wiederbelebten: Die Scham, Lust oder auch die unbestimmten Gefühle, die Zuschauer dabei empfinden.

Ein Beispiel aus alter Zeit, das mindestens manchem als Literatur gilt, ist „Schwester Monika“. Die jungen Näherinnen, die der Züchtigung beiwohnen, „hefteten starr die ihre Blicke auf das Geschäft ihrer Hände“, während eine reife Zuschauerin vom Anblick der Gezüchtigten sexuelle Gelüste bekommt – allerdings sagt sie, sie „schäme sich dabei zu Tode“. Wie in dieser Novelle zeigt sich nahezu überall in der „besseren“ Literatur, was sowohl in den unmittelbar Beteiligten wie auch bei den Zuschauern vorgeht. Die Stimmung heizt sich in eigenartiger Weise auf, wird immer verwirrender, das Schweigen wird beredt, während die Rede verkümmert und nur noch vor Lust oder Schmerz bebende Leiber sprechen. In „Schwester Monika“ wird diese Schilderung relativiert: Am Ende herrscht wieder „Wohlanstand“, und man tut so, als sei nichts geschehen.

Die Schmerzen und Lüste vergangener Tage

Vor Zeugen herabgesetzt zu werden, ist einer der wesentlichen Elemente der Erniedrigung, die eine Strafe an sich darstellt. Dieses Element wird in pseudo-viktorianischen Schilderungen und anderen Flagellations-Romanen aus vergangenen Tagen gerne benutzt. Mal ist es eine kleine Gruppe, mal ein großes Auditorium, das die vollzogene Strafe bestätigen soll. Wobei klar sein dürfte, dass es nur vordergründig um eine „Bestrafung“ geht. Tatsächlich geht es entweder um den Lustgewinn, den die Zuschauer daraus ziehen, oder aber um „gemischte Gefühle“, wenn suggeriert wird: „Der/die Bestrafte könntest auch du sein.“

Zuschauer(innen) werden hochgradig erregt

Wer die Sache rein literarisch sieht, wird sofort erkennen: jeder der Zuschauer(innen) wird ein eigenes Bild vor dem inneren Auge malen, was geschähe, wenn er/sie an der Stelle einer der beiden Protagonisten wäre. Wer nun voyeuristisch denken kann, wird den Genuss schildern, der sich für Voyeure und Voyeusen aus der Betrachtung der Ereignisse ergibt – und dazu gehört mit einiger Sicherheit auch die erotische Erregung der Zuschauer(innen).

Wie schon vielfach geschrieben wurde, übernehmen Frauen sehr oft die Rolle der „Maitresse de Plaisir“, also der Herrin über das Mal sinnliche, mal zweifelhaft Vergnügen. Die Tendenz dazu ist nicht neu – sie resultiert aus dem späten 19. Jahrhundert.

Die Chance, jemanden nackt zu sehen - und seine Gefühle zu teilen

Bekannt dürfte sein, dass ein unverheirateter Mann so gut wie niemals eine Frau nackt sah – selbst die Beine blieben züchtig verhüllt. Doch weitgehend unbekannt ist, dass dies auch umgekehrt galt: Kaum jemals sah eine ledige Frau einen nackten Mann – dabei war das Interesse groß sich wenigstens einmal das bloßgelegte Gesäß anzusehen. Nun, die Züchtigungen der jungen Männer boten dazu willkommene Anlässe, denn während Frauen niemals öffentlich in völlre Blöße gezüchtigt wurden, galt die für junge Männer nicht überall. Dabei spielt vorrangig keine Rolle, ob es sich um reine Fiktion oder Realität handelte – Ziel war, sich einmal völlig ungestört den Unterleib eines (möglichst hübschen) jungen Mannes ansehen zu dürfen. In den 1920er/1930er Jahren, aber auch noch später, gab es zahlreiche Schilderungen von jungen Männern, die unter einem Vorwand entkleidet und anschließend „vorgeführt“ wurden. Es handelte sich nicht immer um Flagellationen, sondern auch um pseudo-medzinische Untersuchungen und dergleichen.

Die Neugierde lässt niemanden los - auch heute nicht

In der erotischen Literatur waren Züchtigungen die ideale Umgebung, um dies zu ermöglichen. Andere Themen, vor allem solche aus jüngerer Zeit, war die Neugier der jungen Frauen in den 1950er und den 1960er Jahren. Ein Teil der Geschichten ist reine Fiktion, ein anderer Teil durchaus glaubwürdig. In dieser Epoche, in der eine „Neue Prüderie“ aufkam, griffen tatsächlich viele junge Frauen zur „Selbsthilfe“, um junge Männer zu überreden, sich vor ihnen nackt zu zeigen, ohne dass es zu geschlechtlichen Berührungen kam. Da in dieser Zeit auch die Züchtigungen neue Triumphe feierten, könnte es durchaus sein, dass Frauen heimlich zeugen wurden, wenn die jungen Männer dafür „die Hosen herunterlassen“ mussten.

Fazit - der Voyeur als emotionaler Helfer der Leser(innen)

Das „voyeuristische“ im Bereich der körperlichen Züchtigung entstand in einer Zeit, als es noch keine echte „voyeuristische Position“ gab, aus der man Züchtigungen betrachten konnte. Geschah alles in der „Privatheit“, so gab es auch keine Zuschauer – der Leser war der einzige Voyeur. Um seine Vorstellungen realistischer zu gestalten, wurden feminine Teegesellschaften und andere rein weibliche Gemeinschaften erdacht, die dann einen jungen Mann oder eine junge Frau „vorführten“. Die möglichen Emotionen, die dabei zum Ausdruck kamen, waren entweder die Lust daran, an der Stelle des Züchtigers oder des Gezüchtigten zu sein, oder die Frucht davor. In vielen Fällen konnte man von „sowohl als auch“ sprechen.

Die beste Idee für Autorinnen dürfte sein, Züchtigungen mit Publikum in die Vergangenheit oder in geheime Zirkel zu verlegen, um diese Zeiten wieder aufleben zu lassen.