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Die echte Liebe und die Wollust – alles unter einem Hut?

Erotische Fantasien überlagern oft die romantische Liebe
Möglicherweise werden Sie sagen: “Die echte Liebe kommt in Liebesromanen doch gar nicht vor.“ Dann sagen sie vermutlich die Wahrheit, aber eine sehr unerwünschte Wahrheit. Fragen wir uns, was vorkommt, dann sind es diese Komponenten, die alle mit "Liebe" in Verbindung gebracht werden:

1. Verliebtheit.
2. Freude am Zusammensein.
3. Lust auf den Körper des anderen.
4. Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft.
5. Erfüllte körperliche Liebe.

Wie allgemein bekannt, darf die Liebegeschichte nicht zu glatt ablaufen, sonst verliert sie die Spannung. Also bauen Sie ein paar Lockfallen ein, in die entweder ihre Figur oder der ersehnte Liebhaber hereintappt – und damit erzeigen Sie nicht nur Spannung, Zweifel und Eifersucht, sondern können auch ein paar sehr lustvolle erotische Szenen einbauen. Wie Sie aus vielen Büchern und Filmen wissen, muss es dabei nicht immer „zum äußerten“ kommen – Sie können ihre Leserinnen durchaus im Zweifel lassen, was wirklich „in jener Nacht geschah“, bevor Ihre Leserin neugierig das nächste Kapitel aufschlägt.

Wenn Sie sehr nahe an der Jetztzeit schreiben, kann ihre Figur durchaus versuchen, zwischen Sex und Liebe zu trennen und während der Zeit, in der sie unsicher über die Beziehung ist, erregende sexuelle Abenteuer bestehen. Die sexuelle Beziehung kann auch durchaus „schräg“ sein, also beispielsweise spontan entstehen und in einen OSN münden. Sie kann zu einem alten oder jungen Mann aufgenommen werden, und der Partner kann ledig oder bereits liiert sein. Falls Ihre Heldin wenig Kontakte hat und sehr sinnlich-romanisch ist, kann ihr Sexpartner auch durchaus weiblich sein.

Wichtig ist, dass Sie einen Hauch der Unverbindlichkeit über die sexuell geprägten Beziehungen legen. Sie können durchaus beschreiben, dass ihre Figur mit einer Zufallsbekanntschaft das Bett teilt und nach dem Geschlechtsverkehr an den eigentlichen Helden denkt, dem sie sich bisher aber sexuell verweigerte.

Ihre Figur muss durchaus nicht immer „jung, ledig, schön und naiv“ sein. Weitaus interessanter sind die plötzlichen Eskapaden einer verheirateten Frau, einer Frau über 40, einer erfahrene Frau, die Freude daran hat, ihre Künste weiterzugeben, oder einer eher unschöne Frau, die Männer auf andere Weise an sich zieht.

Das Thema ist sicher nicht neu: Auf der einen Seite lauert die Verführung mitsamt der Wollust, die damit verbunden ist, auf der anderen Seite die Sicherheit und die Verbindlichkeit der stillen bürgerlichen Existenz. Ihre Leserin wird sehr gespannt darauf sein, in welche Richtung sich ihre Figur wenden wird. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ist sie selber in der Situation: Vanille-Sex, immer seltener und lustloser, und Träume voller erotischer Wollust, die sie sich weder zugibt noch durch Masturbationsfantasien erfüllt. Sie hat nur Ihr Buch – und es zu lesen, bringt sie wenigstens zu emotionalen Höhepunkten.

Ich hoffe, Sie haben hier ein paar Ideen für Ihr neues Werk gefunden. Wenn ja, empfehlen Sie diese Seite bitte weiter, wenn nein, dann sagen Sie uns, was wir besser machen können.

Bild: ungenannter Künstler des 19. Jahrhunderts.

Für Erotik-Autorinnen: die Lust daran, eingesperrt zu werden

Die Betrachtung des zu Objets


Eigentlich ist es keine wirkliche Lust, sondern eine Form der Unterwerfung, in der sich eine Person völlig in die Gewalt einer anderen begibt. Obgleich die Situation aus der erotischen Literatur wie auch aus zahllosen Kriminalromanen recht bekannt ist, weiß kaum jemand, wie er sie beschreiben soll.

Wie so viele erotische Spiele erzeugt auch das „Gefangennehmen“ und „Einsperren.“ Zwiespältige Gefühle zwischen Furcht, Ausgeliefertsein, umhegt zu werden und sinnlicher Lust auf den Körper des Anderen.

Deutliche Trennung zwischen Realität und Fantasie einhalten

Zu beachten ist dabei, dass wir zwischen Realität, Fantasie und Spiel unterscheiden müssen. Ein Mensch, der längere Zeit eingesperrt ist, ist immer gefährdet, auch wenn er sich nichts sehnlicher wünscht, als abhängig zu sein. Im Bereich der SM-Lüste ist daher, wie bei der „Dunklen Erotik“ generell, eine deutliche Linie zu ziehen zwischen dem, was sich in der Fantasie abspielt und dem, was in der Realität technisch, physisch oder emotional möglich ist.

Emotionen haben Vorrang

Da Emotionen in der erotischen Geschichte stets die Hauptrolle spielen sollten, ist die Frage: Wie fühlt sich derjenige, der eingesperrt ist? Bei manchen Autorinnen und Autoren werden Jugenderinnerungen wach: Wurde man nicht tatsächlich dann und wann in Keller, Abstellraum oder Waschküche eingesperrt? Selbst die mildeste Form, der Stubenarrest, hat etwas von Gefangenschaft, wenngleich hier genügend „Auslauf“ besteht. Der „Gefangene“ wünscht sich nicht nur, frei zu sein. Er ist vielmehr dankbar für jedes Gespräch und jede Hand, die sich ihm entgegenreckt. Sie können diese Gespräche, vielleicht gar Flirts oder Hautkontakte bestens in Ihre Geschichten einbauen. Ihre Figur wird einerseits dankbar Hautkontakt suchen, um sich dann wieder vor ihnen zu fürchten. Das ergibt hervorragende Stilmittel im erotischen Roman – es ist ja gerade der Konflikt zwischen dem ausgeliefert sein und dem umhegt sein, der diese Schilderungen so plastisch werden lässt.

Psycho oder nicht?

Wenn Sie die Sache psychologisch angehen wollen, dann werden Sie sich erinnern, dass ein Kind nichts mehr fürchtet, als verlassen zu werden. Ich warne persönlich davor, immer wieder die psychologischen Klischees der Kindheit zu benutzen, sondern sich auf die tatsächlich existierenden Gefühle in der der Erwachsenenwelt zu konzentrieren. Es kann aber nichts schaden, etwas über die Zusammenhänge zu wissen.

Wenn sie sich in Rollenspielen nicht besonders gut auskennen, sollten sie wissen, dass Realität und Fantasie bei Rollenspielen ineinander übergehen. Das heißt, der Gefangene fühlt sich nicht nur in der Rolle des Gefangenen, vielmehr „lebt“ der Rollenspieler in der ihm zugedachten Rolle des Gefangenen und empfindet tatsächlich die Furcht und das Ausgeliefertsein. Wie Sie sicher wissen, schärfen sich die Sinne, wenn wir mit uns allein sind, und diese Tatsache kann noch heftig ausgespielt werden.

Sie haben in Ihrer Schilderung die Möglichkeit, das Gefangensein zu verschärfen, indem Sie Sinnesentzug (Dunkelheit) oder Sinnesverwirrung (unbekannte Geräusche, Schritte, falsche Schläge der Uhr) einbringen. Denken Sie auch an ganz profane Ängste, wie einen starken Handrang, den ihre Figur nicht dauerhaft auf „anständige Art“ loswerden kann.

Erotisch ergibt sich die Möglichkeit, dass sich ihre Figur beispielsweise durch die Käfigstäbe hindurch stimulieren lässt. Auf ähnliche Weise kann allerdings auch Furcht erregt werden.

In einer glaubwürdigen Beschreibung des erotischen Eingesperrtseins können wir lesen (1)

Psychologisch gesehen sind Käfige ein mächtiges Werkzeug. Die … (Männer) … mögen mit einer gelassenen Einstellung in den Käfig gehen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass sie nach einiger Zeit die tatsächliche Funktion des Eingesperrtseins empfinden, und sie erkennen, dass ihnen die Freiheit und die Würde genommen wurden. Je länger sie dort verharren, umso wirksamer wird diese Lektion. (Die Herrin …) wird dann zu ihrem Universum. (Sie) ist die einzige Quelle, um die Freiheit wiederzugewinnen, Nahrung und Getränke zu erhalten (… und zu kommunizieren). Es ist eine sehr intensiv wirkende Erfahrung, und sie kann eine unglaubliche Bindung (an die Herrin) erzeugen.


Bleibt eigentlich nur noch zu fragen, wie es mit der Gegenseite aussieht. Deren Gefühle sind wesentlich schwieriger zu beschreiben. Im Allgemeinen genießen die Damen und Herren der „anderen Seite“ ihre Macht, die sie im Zweifel ja tatsächlich (also nicht nur spielerisch) hätten.

Eine Frage, die oft gestellt wird, ist die, ob die Rollen geschlechtsspezifisch sind. Dies kann getrost verneint werden, denn die Rolle des/der Unterwürfigen ist bei Frauen wie bei Männern sehr beliebt, und man kann erwarten, das beide Geschlechter in der Situation ähnliche Gefühle hegen. Die Rolle des „Wärters“ wird leider viel zu oft mit der eines Mannes assoziiert, der Macht über Frauen ausüben will und daraus Lust gewinnt. Viele Beobachter meinen aber, dass Frauen den größeren Gewinn aus der Rolle der Dominanz ziehen würden, die ihnen „Schübe der Macht“ verliehe, wie es auf einer einschlägigen Webseite heißt.

(1) Die Quelle ist dem Autor bekannt, eine Verlinkung findet bewusst nicht statt. In der Übersetzung wurden einige Worte ausgetauscht und durch allgemeinere ersetzt.
Bild nach Montorgueil aus "Barbara"

Schreiben: Sex-Kitsch oder Härte?

Wer alles schreiben kann, der mag wechseln zwischen einem spermafreien Liebesroman, einer Muschisaft tropfenden Sex-Kitschgeschichte oder der gewissen Härte, die der wirklichen Erotik-Literatur die Schärfe verleiht. Wer allerdings mit Herzblut und bebendem Unterleib schreibt, der tut besser daran, sich gleich mit etwas mehr Pfeffersoße auszustatten.

Bei den härteren Geschichten teilen die Beteiligten – wie im richtigen Leben – zwar die Begierde nach erregenden Orgasmen, aber die Paare liegen zu Anfang nicht auf der gleichen Linie. Das heißt zumeist: Einer verführt den anderen weder bei vollem Bewusstsein, noch tut er/sie es gegen den Willen des anderen. Das ergibt den Stoff, aus dem lustvolle Konflikte entstehen – und damit vermeiden Sie die Suche nach immer neuen Situationen, in denen das Harte mühelos ins Weiche flutscht.

Wer, wie man so sagt, Blümchensex („Vanilla Sex“) beschreibt, gerät schnell in emotionale Zwickmühlen und verfällt dem allseits bekannten Wortmangel. Was sind denn „wirklich schicke Orgasmen“, wie beschreibt man sie? Und wann und wo fanden sie eigentlich statt? Sich beim Sex mal so richtig fallen lassen oder auspowern? Nun haben Sie noch vage Erinnerungen? Selbst, wenn solche Ereignisse noch nicht lange zurückliegen, ist es schwer, sie in Worte zu fassen, ohne alle Klischees durchzugehen, die es darüber gibt.

Nachdem ich dies gesagt habe, was sollten Sie also tun?

10 Vorschläge, Ihrer erotischen Geschichte Pfeffer einzublasen

1. Überhöhen und/oder vertiefen Sie die Realität.
2. Stellen Sie die Konflikte der Frau dar, „brav“ zu sein oder sich ganz der Lust hinzugeben.
3. Führen Sie einige Fantasien ein, die Ihre Figuren vor dem Sex, während der sexuellen Aktivität oder danach befällt.
4. Lassen Sie geschlechtsuntypische Persönlichkeiten, Handlungen und Praktiken zu. Kurz: Entwerfen Sie ihre Männer weicher und Ihre Frauen härter.
5. Seien Sie fantasievoller beim Oralsex. Die meisten Beschreibungen sind schrecklich öde.
6. Lassen Sie sich von ihren eigenen Instinkte und verborgenen Wünschen leiten, und lassen Sie genau diese durch Ihre Heldinnen verwirklichen.
7. Gehen Sie gegebenenfalls in die tiefsten Abgründe ihrer Psyche. Statten Sie Ihre Heldinnen mit dem Profil aus, vor dem Sie sich selbst fürchten.
8. Nutzen Sie eines der traditionellen Elemente erregender Literatur: fremde Menschen, von denen Faszination und Gefahr ausgeht.
9. Wählen Sie einsame oder ungewöhnliche Orte aus, an denen sich Furcht mit Lust paart.
10. Lassen Sie ihren Figuren Freiheit, Freiheit und nochmals Freiheit. Sie dürfen alles, was Sie für sich selbst abgewählt haben.

In der Dunkelheit lauern Lust, Leidenschaft und Abenteuer. Im rosa Schlafzimmer mit Plüschteddy, weißem Nachthemd und Himmelbett eher nicht.

Angst und erotische Literatur – geht das zusammen?


Angst - ein wichtiges Stilelement
Wenn Sie schon viele Liebesromane gelesen oder gar geschrieben haben, werden Sie die Frage wahrscheinlich als lächerlich empfinden. Klar haben Ihre Figuren manchmal Angst – vor allem die Frauen. Und je mehr sie die Angst quält, umso mehr wartet die Leserin auf den Helden, der sie mit einem einzigen Augenaufschlag erlöst.

Angst ist im Liebesroman also gewissermaßen ein ständiger Gast. Erst hat ihre Figur Angst, dass er zu viel Liebe von ihr verlangt, dann hat sie Angst, dass sie ihm nicht genug Liebe schenkt. Sie hat Angst, ihn zu sich einzuladen und Angst, zu ihm zu gehen. Der Gang durch den dunklen Wald ängstigt ebenso wie die seltsamen Geräusche in der Nacht.

Gleich, wovor sich die Heldin klassischer Liebesroman fürchtete – die Angst davor, verlassen, bloßgestellt oder entwürdigt zu werden, ist immer gegenwärtig. Oder ist es die Angst vor den eigenen Gefühlen? Vor dem, was die böse Tante dem armen Kind einst prophezeite? Oder vielleicht eher der Gedanke, die Glut in ihr könnte sich erhitzen und Satans Werk beschleunigen? Sie würden staunen, wenn sie wüssten, wie viel Aberglaube in vielen Menschen wohnt.

All das und noch viel mehr kann auch in den erotischen Roman einfließen. Ein fast leerer Raum im minimalistischen Stil, in dem sich merkwürdige Möbel befinden, kann die gleiche Angst auslösen wie ein fensterloser Gewölbekeller oder ein Dachboden, der mit eigenartigen Eisenringen ausgestattet wurde. Eine hübsche Altbauwohnung kann Angst auslösen, weil sich die Türen plötzlich nicht mehr öffnen lassen – und nimmer wieder lockt Autorinnen der einsame Ort, der über öffentliche Straßen nicht erreichbar ist.

Gelegentlich reicht es, der Heldin den Zugang zu ihrer Kleidung zu versperren – durchaus aufgrund eines Zufalls. Und wenn es dann noch an der Tür klopft und ein Fremder Einlass begehrt?

Gerade in der erotischen Literatur ist es interessant, die Angst auf die Spitze zu treiben, um sie dann in Lust zu wandeln. Kälte, Erstarrung, Einsamkeit, Nacktheit und emotionale Erniedrigung wandeln sich in Wärme, Kuscheln und Kosen. Die Angst ist wie weggeblasen.

Wenn Sie über ein „erstes Mal“ schreiben- gleich, ob es eine Defloration oder eine erotische Bestrafung ist – vergessen Sie niemals, die Angst zu schildern, die oftmals mit der Begierde chargiert. Sobald ihrer Figur „heiß und kalt“ wird, geraten auch die Gefühle Ihrer Leserinnen in Wallungen.

Sie sehen – die Angst ist wirklich ein fantastisches Mittel, um die Emotionen ihrer Leserinnen anzufachen.

Das Bild erschien auf einem Kriminal-Groschenheft in den 1940er Jahren

Die Kurve von der Romanze zur Wollust kriegen

Entschuldigung, aber Würden Sie mir bitte die Seife geben mein Herr?
Haben wir zu viel auf die "Shades of Grey" geschielt? Hier ist etwas für Romantik-Autorinnen, die ihren Heldinnen Sexszenen gönnen wollen.

Wahrscheinlich haben Sie schon mal gehört, dass es vielen Autorinnen und Autoren schwerfällt, die Schwelle zu überschreiten, die vom Esszimmer ins Schlafzimmer führt. Die romantsche Liebe mit dem Sinnesgenuss, der mit Speisen und Getränken eingeleitet wird, das dezente Küssen und Kosen, die Andeutungen und Reize, die wogenden Brüste und schweißnassen Hände – nun gut. All das muss nun in völlig neue Bahnen gelenkt werden. Plötzlich liegt der Fokus auf … ja was denn? Penissen und Vaginen?

Eigentlich nicht. Wer auf den Mund küsst, kann sich auch am Körper entlangküssen und die vom Partner freigelegte Haut genießen. Und die kosenden Hände können am Körper entlangstreichen, dabei vorsichtig Knöpfe, Reißverschlüsse und Schnallen öffnen und schließlich die auf Erlösung wartenden Genitalien berühren. Die Andeutungen können deutlicher werden, die Reize mehr in den Vordergrund gerückt. Es gibt keinen Grund, warum ihre weibliche Figur den romantischen Liebhaber nicht am Esstisch mit ihren freien Brüsten reizen sollte, oder warum sie nicht etwas Wein oder Sekt verschütten sollte, um ihre Bluse zu durchnässen.

Erinnern Sie sich an ihre erste Verführungen, gleich, ob Sie verführten oder verführt wurden? Was war wichtig, um die Verführung zum Erfolg zu führen? Wahrscheinlich war es ein nahtloser Übergang zwischen zärtlichen Berührungen und intimen Berührungen. War es einmal gelungen, den Partner intim zu berühren und ließ er/sie das zu, so war es wahrscheinlich kein Problem mehr, die Lust vor sich herzutreiben.

Eine Faustregel sagt: je weniger sich beide umkleiden oder entkleiden müssen, umso schneller kann die „keusche“ Liebe zur „heißen“ Liebe werden. Sicher haben Sie schon von Frauen gehört, die lediglich „das Höschen zur Seite schieben“ oder es im Waschraum dezent entfernen, bevor sie zurück zu ihrem Liebhaber gehen und ihn dezent auf den nackten Schritt aufmerksam machen.

Beabsichtigt die Frau, den Mann zu verführen, so ist selbst der älteste Trick noch nicht abgedroschen genug, um wirksam zu sein. Sie könnte einfach sagen, dass sie es sich „etwas leichter machen“ wolle und mit einem raffinierten Hauskleid oder Negligé zurückkommen. Selbst abgedroschene Sätze wie „Gefällt dir, was du siehst?“ sind dabei noch wirksam.

Hübsch ist auch, wenn das Paar eigentlich gar keinen Sex miteinander wollte, sondern per Zufall in einem Bett landete. Davon leben ja zahlreiche Filmkomödien, aber nicht nur sie.

Auch dabei wird im Grunde der gleiche Trick verwendet: Sie müssen den Ort des Geschehens gar nicht wechseln – Neutralität wechselt in Zärtlichkeit, und Zärtlichkeit wird zur Wollust.

Sie sehen: Schwellen sind im erotischen Roman im Grunde unnatürlich. Ist die Lust vorhanden, kann der Sex übergangslos stattfinden, sobald einer von beiden die Initiative ergreift. Im Wohnzimmer, im Esszimmer oder in der Küche sowieso, und mit ein paar Tricks auch im Schlafzimmer, in einem speziell dafür eingerichteten Liebeszimmer oder sogar im Bad. Ist das Haus groß und vielfältig eingerichtet, dann auch im Keller, auf dem Dachboden im Treppenhaus oder gar auf Balkon oder Terrasse.

Ich fasse für Sie noch einmal das Wesentliche zusammen:

1. Ihre Figur hatte auch vor der Sexszene schon einen Mund, Hände und eine Vagina. Führen Sie Ihre Leser(innen) rechtzeitig an die Lüste heran, die diese Körperteile gedanklich auslösen- also vor dem Sex. Machen Sie ihrem Publikum klar, dass die Lust auch vor dem Sex vorhanden war.
2. Der Gedanke, zu „feuchten“ sexuellen Handlungen zu kommen, war schon vor der eigentlichen Sexszene vorhanden. Führen Sie ihre Heldin, Ihre Leserinnen und sich selbst auf diese Fährte.
3. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Heldin, wann immer möglich, vor dem Sex weder die Kleider noch den Raum wechseln muss.
4. Versuchen Sie, Ihre Heldin nahtlos in die Sexszene hineingleiten zu lassen.
5. Sie können aus jeder harmlosen Szene eine spontane Verführung generieren, ohne dass sich Kleidung und Ort ändern.

Zufrieden? Versuchen Sie es einfach mal. Wenn es klappt, sagen Sie es weiter, wenn nicht, sagen Sie es uns.

Bild: nach einer französischen Fotografie, 19.Jahrhundert