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Gleichgeschlechtliche Liebe – einfach hineinschlittern?

Verführerin, Verführer, Verführte? Frau oder Mann? Übertragen Sie diese Zweifel auf Ihre Figuren!
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ihre Figur „einfach so“ in die gleichgeschlechtliche Liebe hineinschlittern zu lassen? Ohne je zuvor einen Gedanken daran verschwendet zu haben, und entgegen der eigenen wertkonservativen Einstellung?

Wenn beide Frauen sind

Ihre Heldin wird kaum mehr brauchen als eine sanfte, aber konsequente Verführerin … Sie kommt als Vertreterin, Journalistin, Demoskopin oder Raumgestalterin … ganz egal. Und Ihre Heldin? Sie ist irritiert von irgendetwas an dieser Person – es kann die Kleidung sein, ein Schmuckstück, aber auch nur eine Geste. Sie wird die Zärtlichkeit der Verführerin spüren, aber auch ihre Konsequenz. Beides zusammen, ein paar Cocktails obendrauf und die alles in einer lauen Sommernacht – das müsste reichen.

Wenn Männer sinnlich mit Männern werden

Würde ein Mann auch einfach einem anderen Mann verfallen? Ich verrate Ihnen ein Geheimnis; er wird umso faszinierter sein, je weniger er sich bewusst ist, dass er „eigentlich“ von einem Mann verführt wird. Ein hübscher Transvestit wird nicht gleich zeigen, dass er eigentlich ein Mann ist. Und er wird zunächst eine Lust schenken, die der Mann nur von einer Frau erwartet: Augen verbunden, den Kopf voller Champagner, die Sinne zusätzlich benebelt von einem weiblichen Abendparfüm. Der Zauber eines perfekten Fellatios.

Der Morgen danach - was ist passiert?

Sollten Sie das zweite Beispiel nehmen, wird der „Morgen danach“ schwerer zu beschreiben sein als bei der verführten Frau. Für Männer gibt es sie nicht, diese wundervolle Leichtigkeit, endlich einmal über den Zaun gesprungen zu sein, der die Geschlechter trennt. Und wenn sich der Verführer nicht offenbarte? Wenn es bei den Zärtlichkeiten blieb? Sie haben die Wahl, Ihre Figuren zu verwirren.

Tun Sie es einfach. Viele Leser(innen) fasziniert es unheimlich, weil sie es selbst gerne einmal wagen würden.

Oder beantworten Sie sich doch einfach einmal die Frage: Gehört dieses verführerische Gesicht zu einer Frau oder zu einem Mann?

Wie sich der süße Schmerz wirklich anfühlt

Was du siehst, ist nicht, was du denkst ... oder doch?
Schmerz ist eine Empfindung, so wie auch Lust eine Empfindung ist, doch während es viele Menschen gibt, die uns die Freuden und Laster der Lust zu erklären versuchen, gibt es wenige, die das Gleiche für den Schmerz versuchen würden.

Zu beobachten, wie der Schmerz entsteht und wie er zunimmt, welche Bahnen er sich bricht und wie er abnimmt, ist kaum gefragt. Was dabei in der Psyche tatsächlich geschieht, ist völlig unklar und bleibt deshalb das Geheimnis jeder Schmerzliebhaberin und jedes Schmerzliebhabers. Beschrieben wird – auch in der erotischen Literatur – fast immer nur das, was äußerlich stattfindet, wobei Peitschen und Rohrstöcken eine viel zu große Rolle zufällt.

Die verwirrend schönen Gefühle, die sorgsamen Arrangements, die Erlösung und die Geilheit finden nur selten die Beachtung, die sie verdienen. Noch weniger wird aber die Intimität beschrieben, oder der Genuss, den Schläge auslösen können, oder das „himmlische Gefühl“, das die Partner verzückt. Ich will hier nur kurz sagen, wie beschämend es für einen Erwachsenen ist, sich vor einer Person des anderen Geschlechts zu entblößen, zumal, wenn dazu eine besondere Prozedur erwünscht ist.

Wer in die Welt der lustvollen Schläge eindringen will, muss sich in die Psyche der Personen versetzen, die „oben“ und „unten“ beteiligt sind. Es ist nicht der Hieb, der schmerzend den wonnevollen Po trifft – es sind die Wellen, die sich pfeilschnell in den Nerverbahnen ausbreiten. Und es ist das Gehirn, das daraus schmerzvolle Lust und lustvolle Schmerzen gewinnt. Wer es so sieht, muss nicht schreiben, dass die Heldin „Aua, das tat aber weh“ sagte, als die Peitsche den milchig-weißen Po traf.

Sex und Lust - was du fühlen kannst, ohne es erlebt zu haben

Sogar das Gefühl der Nacktheit kann durch die Vorstellungskraft überhöht werden
Du kannst nicht alles erfühlen, was deine Heldin fühlt. Richtig?

Aber vielleicht kannst du die folgenden Gefühle abwandeln.


10 ganz gewöhnliche Gefühle, die du auf Sex umsetzen kannst


1. Nackt sein und sich unwohl dabei fühlen.
Du bist sicher manchmal nackt, nicht wahr? Und nun stell dir vor, du wärest unfreiwillig nackt und dass ein Augenpaar auf dich gerichtet ist. Oder mehrere Augenpaare. Sie starren dich an. Wie würdest du reagieren oder wie hast du reagiert, als dir das schon einmal passiert ist?

2. Schämen und Schamgefühle verstärken
Wahrscheinlich hast du dich ab und an geschämt. Das, was deine Heldin Heldin erbeben wird, ist nur eine Steigerung davon - mit Blutwallungen in den Wangen und dem Gefühl, „im Boden zu versinken“.

3. Verführen – verführt werden
Überleg dir, wann du deinen Bruder, deine Schwester oder Spielkameraden zu irgendetwas mit Versprechungen überredet hast. Zum Beispiel etwas zu stibitzen, etwas zu sagen, etwas zu tun oder ähnlich. Es muss sich nicht um eine Verführung zu Doktorspielen handeln – aber solltet du dich erinnern können, umso besser. Umgekehrt kannst du überlegen, wann du jemandem etwas zuliebe getan hast, ohne eigentlich zu wollen.

4. Ekeln - Nahrungsmittel eignen sich.
Ekel und Lust liegen nahe beieinander, besonders bei Körperflüssigkeiten im oralen Austausch. Es reicht normalerweise, an eine Aversion gegen bestimmte Lebensmittel (Knoblauch, Fisch, bittere Spargel, Austern) zu denken, um den Ekel zu beschreiben.

5. Penetriert werden - was du vielleicht noch kennst.
Wer noch das Fieberthermometer im Hintern kennt, das Einführen von Medikamenten und Pseudo-Medikamenten, wird besten wissen, wie sich „anale Penetration“ sozusagen „im Kleinen“ anfühlt. Selbstversuche mit Dildos sind meist ungefährlich, eröffnen aber neue Gefühlswelten.

6. Sich gefesselt fühlen und gefesselt sein.
Bist du schon einmal von einem Zahnarztstuhl während der Behandlung aufgestanden? Oder bim Theater während der Vorstellung? Oder auf einem Festbankett während einer großen Rede? Warum nicht? Weil du mit dem Anstand gefesselt warst, nicht aufzustehen. Das sind „innere Fesseln“. Äußere Fesseln kannst du simulieren durch zu enge Kleidung (Korsetts), High Heels, die dich beim Laufen hindern, oder einfach dadurch, die Fesselung zu simulieren. Nimm beispielsweise die Hände auf dem Rücken zusammen und erprobe, was du dann noch tun kannst und was nicht.

7. Gefoltert und malträtiert werden. im Alltag
Hattest du schon einmal eine äußert schmerzhafte oder unangenehme medizinische Untersuchung oder eine kleine Operation, bei der die örtliche Narkose nicht ausreichte? Ist dir beim Zahnarzt schon mal hören und Sehen vergangen? Wurdest du mit elektrischen Strömen behandelt? All diese Erfahrungen kannst du abwandeln. Manche Frauen haben auch einen Horror vor Sportgeräten – das lässt sich ähnlich abwandeln.

8. Befehle ausführen – sich entwürdigen lassen.
Erinnere dich an eine Situation in der Jugend, in der du dich gezwungen fühltest, Befehle und Anweisungen auszuführen, die dir widerstrebten. Entsprechend kann dies auch Erwachsenen bei Trainern und Therapeuten passieren.

9. Bisexuelle Erlebnisse - ganz gewöhnlich.
Frauen haben meist irgendwelche intime Erlebnisse mit andern Frauen gehabt, wenngleich diese nicht sexueller Natur sein müssen. Knüpfe einfach daran an. Wenn du über Frauen schreibst, die passiv Cunnilingus ausüben – es ist genau, als wenn es ein Mann tut. Und für einen Mann ist Fellatio von einem Mann zu empfangen genauso, als wenn er ihm eine Frau gönnt. (Jedenfalls, wenn du ihm die Augen verbindest). Anal fühlt sich etwas unterschiedlich an bei Frau und Mann, aber erst nach dem Einführen.

10. Schläge - selbst ist die Frau.
Bei ihnen hilft der Selbstversuch – mit äußerster Vorsicht, versteht sich. Falls du jemals geschlagen wurdest, und sei es leicht oder im Spaß – nutze diese Erfahrung! Schläge von anderen werden immer intensiver empfunden als „Selbst-Flagellationen“.

Mehr?
Fast alles andere kannst du an dir selbst ausprobieren, ohne dich entwürdigen zu lassen, und manchmal kann eine wirklich gute Freundin helfen, besonders bei Fesselungsszenen.

Bild: Teil einer Illustration von Topfer (Oberteil)

Recherchieren Sie, bevor Sie über Sex schreiben?

Erst einmal nachlesen, wie es geht?
Sie wollen über ganz gewöhnlichen Sex schreiben, den Sie aber nicht selbst praktizieren? Oder über sexuelle Besonderheiten, die Sie niemals praktizieren würden?

Ihnen kann geholfen werden, denn über die meisten Praktiken liegen Erfahrungsberichte im Internet vor. Dabei entstehen diese Probleme:

Wie trennt man zutreffend Informationen von solchen, die lediglich zu Werbezwecken veröffentlich werden? Wie trennt man echte Erfahrungsberichte von pornografisch ausgeschmückten Sexmärchen? Und dritten (vielleicht am Wichtigsten) wie wandelt man die gesammelten Informationen in sinnvolle Texte um?

Diese Informationen benötigen Sie in jedem Fall - anatomisch, physisch, technisch

Fragen Sie sich zuerst: Wer tut etwas, wie tut er es und was veranlasst ihn dazu? Wenn Sie sich darüber klar sind, klären Sie die anatomischen und technischen Möglichkeiten, die sich dazu anbieten. Das wären zum Beispiel:

Wie und wo muss jemand stehen, knien, sitzen oder liegen, damit das möglich wird, was Sie als Story planen? Und was muss der andere währenddessen tun? Welche Vorbereitungen müssen unbedingt zuvor getroffen werden? Welche Schwierigkeiten können auftreten, während ihre Figuren agieren? Was geschieht unmittelbar danach und einige Zeit später?

Bekannte Gefühle sammeln und in ein Schema bringen

Wenn Sie das halbwegs vor sich sehen (oder besser, zeichnen können), dann sammeln Sie am besten Schilderungen über die Gefühle, die ihre Protagonisten dabei haben. Dazu gehört: was auf der Haut empfundene wird oder was während irgendeiner Penetration oder eines Oralverkehrs zu Anfang, währenddessen und nach einer Auslösung in den betroffenen Organen oder im ganzen Körper erfühlt wird. Dazu ist es nun tatsächlich nötig, eine Gefühlsschilderung zu erwischen, die halbwegs authentisch klingt.

Ganz wichtig ist stets der Zwiespalt zwischen der Lust an der Sache und inneren Widerständen, die dagegen sprechen, Erinnerungen, die dabei wach werden und Vorurteilen, die plötzlich wieder präsent werden.

Frauen und Männer - Sie müssen die Anatomie und die Psyche beider erfassen können

Sie finden all dies im Internet, allerdings oftmals etwas verschlüsselt und verblümt. Normalerweise können Frauen nicht „realistisch“ nachempfinden, was Männer fühlen und Männer nicht, was Frauen fühlen. Hier bleibt den Autorinnen und Autoren nichts anderes übrig, als gründlich zu recherchieren. Grundlegende Unterschiede bestehen vor allem im Zusammenspiel von Vulva, Klitoris und Vagina, das selbst unter Frauen oft falsch interpretiert wird. Und bei Männern zwischen Hoden, Damm, Penis, Eichel und Vorhaut (wenn vorhanden). Zudem ist die Funktion (und Lage) der Prostata Frauen zumeist ein Rätsel.

Die Varianten des Zwiespalts der Gefühle

Denken Sie an folgende Umstände:

Nacktheit, insbesondere spontane, sexuell motivierte Nacktheit bei hellem Licht, besonders nackt fotografiert oder gefilmt zu werden, wird oftmals wieder zum Auslöser von Scham.

Bei jedem „ersten Mal“ (vaginal, oral, anal oder alle anderen Varianten) gibt es den grundlegenden Widerspruch zwischen Lust und Verletzlichkeit.

Bei jedem neuen Versuch, unbekanntes Terrain zu erobern, können Scham oder die Folge von Schamhaftigkeitserziehung auftreten. Diese Gefühle konkurrieren mit Lust und Abenteuer.

Bei Oral- oder Analverkehr können Gefühle des Ekels auftreten, die an der Freude, die es dem anderen bringt, nagen können.

Bei Männern besteht ein grundlegender Zwiespalt gegenüber allen analen Aktionen (Prostata, Strap-On), der sie in den Verdacht bringen könnte, „schwul“ zu sein.

Verführen ja, Vereinnahmen nein

Frauen sind weniger heikel gegenüber lesbischen Berührungen und Aktivitäten, solange diese diskret bleiben und die Partnerin nicht zu fordernd wird. Tritt dieser Fall jedoch ein, so machen sie sich Sorgen wegen der damit verbundenen Vereinnahmung.

Bei allen Menschen bestehen Vorbehalte dagegen, verletzt, gefesselt oder eingesperrt zu werden, auch wenn sie sich vorstellen, daraus Lust zu gewinnen.

Dreier aller Art, Partnertausch oder Orgien, gleich mit welchen Elementen (Hetero, Bi, SM) lösen oftmals ungute Gefühle aus, Verlustangst ist nur eines davon.

Welche Gefühle gewinnen die Oberhand?

Generell ist immer die Frage, welche Gefühle die Oberhand gewinnen. Ist ein bestimmter Punkt des inneren Widerstandes einmal erloschen, dann lösen sich Körper und Geist von konkret beschreibbaren Empfindungen und versinkt in Hingabe. Doch die „Gewissensbisse“ können auch wieder zurückkommen, wenn der Sex wirklich schön war.

Falls Sie mehr zu diesem Thema wissen wollen, schreiben Sie bitte einen Kommentar. Wir gehen dann kurzfristig darauf ein.

Schöner Vögeln – in der Literatur?

Warum sollten wir nicht versuchen, die Begierde oder die Wollust „schön“ zu schreiben? Die Antwort der meisten Autorinnen und Autoren sagen aus: „Weil das gar nicht geht.“ Und sie werden darin bestärkt, wie ich gerade in der NZZ las:

Wer über Sex schreibt, der tut das in den Fallstricken eines sadomasochistischen Unterfangens. Die Mühen sind gross, die Aussichten auf überspringenden Erfolg gering.


Ich habe einen anderen Verdacht: Weil sich die Autoren schämen, es zu tun. Weil sie als peinlich empfinden, eine sich begierig öffnende Vulva zu beschreiben oder einen sich wölbenden, unter einem Reißverschluss gefangenen Penis.

Sobald dergleichen nicht mehr peinlich ist, kann man darüber schreiben - vorausgesetzt, man kann erfühlen und beobachten, was mit dem Menschen geschieht, der da Vulva und Klitoris, Penis und Hoden zu Aktivitäten veranlassen will. Noch einmal sei die NZZ zitiert, die uns dies glaubhaft machen will:

Über Sex zu schreiben – kein leichtes Unterfangen. Über Gartenarbeit, ja, Gemüseschälen, Fensterputzen. Guter Sex ist unbeschreiblich, schlechter muss nicht beschrieben werden.


Natürlich ist das kein leichtes Unterfangen – aber als erotische Autorin schreibt man auch nicht „über Sex“, so wenig, wie eine Liebesroman-Autorin „über Liebe“ schreibt. Man schreibt von dem, was Liebe für die Figur bedeutet – oder eben Sex. Und „guter“ Sex ist auf keinen Fall unbeschreiblich – dazu gibt es viel zu viel hübsche Varianten. Und schlechter Sex? Der eignet sich nicht zum „Aufgeilen“ aber gehört durchaus zum Erfahrungsschatz nahezu jedes Menschen – und muss daher zu Papier (oder zu Bildschirm) gebracht werden.

Paul Jandl, der Autor der „NZZ“ hat mit keinem seiner Sätze wirklich recht, die er aus den Literaturzeitschrift „Akzente“ geschöpft hat. Er verkennt, dass sich eine Autorin oder ein Autor wirklich in ihre Figuren hineinversetzen kann. Und dann fehlt nur noch eines: Die Leserin oder den Leser so anzusprechen, dass er die Körpersäfte, die da fließen, für die eigenen hält. Das müsste ein Profi-Kollege eigentlich beherrschen.

Zitatenquelle: NZZ